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Papierfüchse

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Nachtblasen, eine Probeillustration

Neue Wege

Nicht immer ist das Neue auch das Bessere.

Als jetzt vor fast zwei Jahren die Geschichte eines Fuchses und seiner Suche nach der Farbe in meinem Kopf begann Wurzeln zu schlagen, war dies noch mit dem Wunsch verbunden, wieder einmal neue Wege einzuschlagen. Ein neues Format, eine andere Erzählstruktur, tierische Hauptcharaktere und eine daran angepasste gestalterische Ausdrucksform.

Und wie jede neue Geschichte so forderte auch diese völlig neue Blickwinkel und eine eigenständige  Herangehensweise. Was folgte war eine Umleitung, die niemandem je aufgefallen wäre, könnte man doch behaupten, dass letzten Endes alles beim Alten geblieben ist, zumal das neue Buch erneut in der gewohnten HB-Bleistifttechnik angelegt wurde. Gerade diese wollte ich hierbei jedoch eigentlich gerne umgehen. Zu groß schien der Arbeitsumfang.

Und so folgte ein monatelanger Irrweg auf der Suche nach der gestalterischen Sprache dieses Projektes. Unzählige Füchse begannen, über meinen Schreibtisch zu schleichen. – Manche rannten auch, und zwar schnurstracks zurück in den Papierkorb. – Einige blieben etwas länger, wie die eingefügten Bilder zeigen.

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Doch es kam wie es kommen musste. Nach etlichen technischen Tests und diversen Probeillustrationen auf allen nur erdenklichen Papiersorten manifestierte sich zunehmend die wahnwitzige Ahnung, dass das neue Werk in der Bleistifttechnik einfach die bestmögliche Ausdrucksform erlangen würde.

Zurück zu den Wurzeln also? – Schließlich, und weil es in solchen Situationen ohnehin kaum von Erfolg gekrönt ist, sich den Tatsachen bzw. der Erkenntnis bzw. dem Willen der Geschichte zu verweigern, begann ich mit der ersten von 19 großformatigen Illustrationen und dem bisher wohl umfangreichsten Buchprojekt meines bisherigen Schaffens, und das, obwohl ich doch genau das Gegenteil im Sinn hatte; endlich einmal ein rasch hingeworfenes und zeitlich überschaubares Werk zu realisieren.

Der Fuchs jedoch schien andere Pläne zu verfolgen und belehrte mich eines Besseren. Durchhaltevermögen war das Gebot der Stunden, Tage, Wochen, Monate.

Mit viel Ausdauer, umfangreichen Vorstudien und zahllosen Arbeitsproben machte ich mich schließlich an die Arbeit. Die Geschichte verfeinerte sich mehr und mehr und wo ich bei anderen Büchern aufgrund des hohen Arbeitsvolumens der komplizierten Bleistiftzeichnungen meist nach 10 großen Illustrationen ein Ende fand, verdoppelte sich nun der Umfang annähernd.

Doch es kommt noch besser, denn als wäre diese Aufgabe nicht schon schwierig genug, so meldete sich die poetische Geschichte im Zuge ihrer Weiterentwicklung erneut zu Wort und forderte zudem eine noch kompliziertere und damit auch kostenintensivere Herstellung, verursacht durch … – Ach, es muss ja auch nicht alles verraten werden. Nur so viel: Es wird Vertrautes geben und Neues.

Jedenfalls ist tatsächlich so langsam ein Ende in Sicht, arbeite ich momentan bereits an den letzten beiden Bildern.

Bleibt also alles beim Alten? – Nicht ganz, denn jeder Irrweg und jede Umleitung hinterlässt erfrischend neue Eindrücke und Erkenntnisse.

Zum Schluss dieser Reise konnte ich mich nur glücklich schätzen, dass sich der Gerstenberg Verlag durch die Hingabe und den Enthusiasmus, den ich diesem Projekt beigemessen habe, anstecken ließ und sich dieses Buches annahm. Und so bin ich sehr froh, dass dieses Projekt dort nun eine neue Heimat gefunden hat und in angemessener Form liebevoll betreut werden wird. Da bin ich sicher.

Die Vorfreude ist groß!